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Vorausfahren - wo die Angst ist, ist der Weg

Irgendwann musste es ja mal sein, dass ich mich aus dem Schutz der Gruppe heraus wage und als Guide voraus fahre. Und nicht nur das. Zuerst musste ich mir eine Strecke zusammensuchen. Start und Ziel waren klar. Es sollte ins Saarland gehen, ein Besuch auf der Emmes in Saarlouis mit Übernachtung in Saarbrücken. Doch bevor ich die Strecke mit Google Maps ermitteln und anschließend in meine Karte übertragen konnte (s. Bild), musste ich mich zuerst ein paar Ängsten stellen:
  1. Ich könnte mich verfahren, orientierungslos in der Gegend umherirren, dadurch viel zu spät ankommen und den anderen das Wochenende versauen.
  2. Ich könnte einen Unfall haben, was meinen Mitfahrer überfordert und sterben.
  3. Ich finde nicht rechtzeitig eine Tankstelle.
  4. Ich könnte durch die Kurven eiern und wäre ein schlechtes Vorbild.
Alles Quatsch? Vielleicht. In meinem Kopf sah ich die Bilder zu den Ängsten und zwar sehr real. Das ist so ähnlich, wie mit einem unangenehmen Telefonat, vor dem man sich ewig drückt. Obwohl einem, bei genauem Hinschauen, am Telefon nichts passieren kann. Die Angst davor, etwas blödes zu sagen, jemanden zu verletzen, Schuldgefühle zu bekommen, weil etwas passiert, das man nicht wollte u.s.w, u.s.w.. Oder mit  einer Person, der man bewußt aus dem Weg geht. Man führt mit ihr Dialoge im Kopf und verliert den Kontakt zum Wesentlichen - zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen die hinter der Angst stecken.

Bei mir meldete sich aber auch noch ein anderes Gefühl. Es war die Sehnsucht nach Unabhängigkeit, der Wunsch danach, Verantwortung zu übernehmen, den Fortschritt und den Erfolg zu spüren. Und das gelingt mir nur, wenn ich meine Ängste überwinde.

Also, habe ich mir vor Augen geführt, was ich alles kann:
  1. Meine Kurventechnik ist gut. Die habe ich in zahlreichen Sicherheitstrainings geübt.
  2. Ich komme in jeder Gruppe mit und wenn es mir zu schnell wird, traue ich mich, es in der Pause zu sagen (was schon lange nicht mehr vorgekommen ist).
  3. Ich bin im ADAC und spreche ein wenig Französisch (falls wir im Elsass liegen bleiben). Ich kann mir also helfen.
  4. Ich kann eine Karte lesen und kenne sogar Teilstücke der Strecke.
  5. Wir sind zu zweit und es ist keine Schande sich zu verfahren.
Mit diesen Gedanken fühle ich mich gestärkt und freue mich auf meinen ersten Einsatz als Tourguide.

Tja, und was soll ich sagen, es hat alles geklappt. Wir hatten ein tolles Wochenende, sind eine wunderschöne Strecke hin und zurück gefahren, haben sogar eine "route barré" genommen (es war Sonntag), eine Eispause an einem erfrischenden Badesee eingelegt und sind glücklich wieder daheim gelandet.

Kommentare

  1. cool :-) Freut mich, dass Du ein tolles Weekend und ein genauso tolles "Das-erste-Mal-Tourguide-Erlebnis" hattest :-)
    Wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein. ;-)
    Liebe Grüsse
    Livia

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  2. So ist es richtig: Die wenigsten Mitfahrer haben wirklich ein Problem damit, wenn man sich vorne mal verfährt: So gibt es immerhin noch etwas, über das man sich anschließend mit einem Augenzwinkern unterhalten kann.

    Schön, wenn der "erste Versuch" gut ausgeht und für den zweiten Mut macht: so sollte es sein.

    Gute Fahrt und viele schöne Strecken!

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Aus irgendeinem Grund, werden die Kommentare zu diesem Post nicht in der Kommentarliste angezeigt. Ich habe schon in der Hilfe recherchiert, aber noch keine Lösung gefunden.

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