Sonntag, 20. Juni 2010

Großzügige Bikerin bei Harley-Davidson

Während sich Kronprinzessin Viktoria und ihr Prinzgemahl Daniel Westling das Ja-Wort geben, erlebe ich ein Abenteuer ganz anderer Art. Zur Vorbereitung auf meinen gewonnenen Florida-Trip im Oktober, will ich mir schon mal meine Harley anschauen. Eine Softale, wie sie mir Erik von Eagle-Adventure-Tours empfohlen hat.

Da ich ja zur Fraktion der sicherheitsbewußten, niemals-ohne-Helm-und-Ritterrüstung-Fahrenden gehöre, arbeitet es innerlich in mir. Klapphelm auf Harley - uagh, sieht irgendwie komisch aus. Zum richtigen Harley-Feeling gehören in meiner Vorstellung Jeans und ein T-Shirt. Um dem annährend gerecht zu werden, entstaube ich zuerst meine Bikerboots, die ich schon sein 15 Jahren besitze, und begebe mich zu unserem örtlichen Harley-Händler.

Zunächst fühle ich mich etwas deplatziert. Niemand spricht mich an. Wahrscheinlich sieht man mir an, dass ich eigentlich einen Reiskocher fahre. Jedenfalls traue ich mich, auf allen Harleys Platz zu nehmen und überlege, ob ich mich zu einer Probefahrt anmelden soll. Ich versuche den Ständer einzuklappen und merke, dass mein Bein dafür zu kurz ist. Auch der Lenker ist so riesig, dass ich nicht am Lenkanschlag fahren kann. Und das Gewicht von über 300 kg merke ich sofort. Erste Zweifel und Schweißperlen machen sich bemerkbar.

Aber dann passiert etwas, womit ich nie gerechnet hätte. Wenn ich schon nicht von den Verkäufern angesprochen werde, dann doch wenigstens von einer Kundin. Ute, wie sich später heraus stellt, ist ganz begeistert von ihrer Harley und rät mir unbeding die Softail zu nehmen. Ich erzähle ihr von der geplanten Reise und spontan bietet sie mir an, eine Runde auf ihrem Bike zu drehen!

Schluck! Jetzt wird´s ernst. Ich habe weder Helm noch Jacke noch sonst erwas von meiner Ausrüstung dabei. Egal. Ich tu´s einfach. Utes Mann wendet die Maschine für mich und ich sitze auf. Ja, bequem ist sie, ich komme auch gut mit den Füßen auf den Boden. Wo muß ich starten? Aha, ein Knopf am Tank. Die Amaturen sind etwas spärlich. Ein Tacho, sonst nichts. Mehr brauche ich auch nicht. Und immerhin eine digitale Anzeige des Tageskilometerstands (hat meine Maschine nicht).

Ich starte. Unter mir blubberts. Das kann ja heiter werden. Die ersten Meter sind zaghaft. Ich muss ziemlich viel Gas geben um die - wieviel Kubik? - 1300? - zum Fahren zu bringen. Dann kommt schon die erste Kreuzung und ich muss mich entschieden: rechts oder links? Gerade in diesem Moment fährt ein Polizeiauto vorbei. Und ich habe keinen Helm auf. Zum Glück interessieren sie sich nicht für mich. Also entschließe ich mich für rechts, um mich nach 20 Metern doch wieder umzuentscheiden. Grrr - illegales Wenden mit 300 kg unterm Hintern, die mir nicht gehören. Aber es klappt erstaunlich gut. Die Harley blubbert zügig in die von mir gewünschte Richtung. Die Scheibe ist etwas gewöhnungsbedürftig, da sie genau in Augenhöhe ist. Ich konzentriere mich auf die Straße weit vor mir. biege ab, wende an einem Erdbeerstand und versuche, den Weg zurück zu finden.  Und was soll ich sagen: es macht tierisch Spaß.

Wie lange ich unterwegs war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich unhöflich lange. Ute ist nicht verärgert. Ich bringe ihr Bike hiel zurück, bedanke mich euphorische 1000 Mal und bin überglücklich. Ich fühle mich wie Renegade. Ihr wisst schon, Lorenzo Lamas aus der gleichnamigen 90er-Jahre Serie, der immer ohne Helm, also genauso wie ich, mit seiner Chrom-und-Flammen Harley quer durch die USA gedüst ist und Verbrecher gejagt hat. Nur hatte der nie zerzauste Haare... .